Montag, 15.05.2006
13:01 » Bogna Burska 19. Mai 15. Juli 2006

Bogna Burska (geb. 1974 in Warschau, lebt ebd.) ist Malerin, Filmemacherin, Installationsknstlerin und Fotografin. 2001 absolvierte sie die Kunstakademie in Warschau.

Arbeiten sind zu sehen in einer Ausstellung vom 19. Mai 15. Juli 2006. Di Sa 14 - 18 Uhr (Erffnung: Freitag, 19. Mai 18 - 21 Uhr in der GIEDRE BARTELT GALERIE Linienstr. 161/ Ecke Kleine Hamburger Str., 10115 Berlin - Tel. 030/88 520 86)



Das bichen Angst
Rote Farbe tropft von der Leinwand oder von farbigen Glasfenstern und erstarrt wie geronnenes Blut. Rote Tropfen sind eingefroren im glnzenden Schnee, festgehalten in Serien von Farbaufnahmen; rote Flecken, aufgenommen mit der Kamera, schwimmen im Wasser die Pflasterung hinunter oder versickern in den Sand, wenn sich die Flut zurckzieht. Bogna Burska holt das Rot aus dem Zusammenhang heraus und setzt es uns vor. Damit provoziert sie Reflexion darber, was geschehen sein konnte, bevor sie mit der Aufnahme begonnen hat. Die Knstlerin erklrt uns nichts ber diese Ereignisse. Sie erinnert nur an die Tatsache ihrer Existenz. Jemand htte sich verletzen knnen oder wurde verletzt. Die Welt ist voller Gewalt; wir beobachten sie jeden Tag im Fernsehen, im Kino, im Theater. Inszenierte Gewalt aller Arten, eingebunden in verschiedene Geschichten, hufig in Verbindung mit Sex, ist ein Produkt der Massenkultur und reagiert auf die Nachfrage des Marktes. In dieser Vielfalt ist der Stoff fr immer neue Geschichten zu finden, mit Hilfe deren auch die Stars kreiert werden. In dieser Art und Weise ist das Video Regen in Paris entstanden, voll von Aggressionen, Gewalt, Sex, komponiert aus Elementen einiger bekannten Filme: Film aus Filmen, Fiktion aus Fiktionen. Anders dagegen ist die Fotoserie - das Resultat chirurgischer Eingriffe und die wochenlange Erholung danach. Blutspuren im Schnee oder am Strand knnen brigens zufllig, z.B. bei einem Spaziergang, entstehen. Einen Stumpf vom entfernten Bein kann man nur im Krankenzimmer sehen, dort gibt es keinen Zufall. Eine Operation kann das Leben retten und erhalten, trotzdem bedeutet sie einen brutalen Eingriff in den unversehrten Krper, es ist eine Brutalitt - allen anderen hnlich. Die Knstlerin spricht nicht davon, sie zeigt intime Innenrume von bedrckender Atmosphre. Es kann eine Fotoserie sein, die wie Polizeiaufzeichnungen eines Verbrechens aussieht, wir knnen hier ber tatschliche Spuren sprechen; es kann ein lebensechtes Schlafzimmer einer Frau sein mit einer sehr groen Tarantel, die ber das Bett luft. Hier gibt es keine Erklrungen, keine Kommentare. Nichts knnte geschehen sein, aber genauso auch alles Mgliche. Burska beschreibt nicht die Wirklichkeit, ihre Kunst ist eine Fiktion. Es ist nur das bichen Angst, das uns aus verschiedenen Arten der Fiktion herausholt und an die Zerbrechlichkeit des Daseins erinnert.
Anda Rottenberg, 2004


von Andreas Becker | Mehr zum Thema: Ausstellung

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